18. August 2019

AKTUELLES

OÖ baut aber keine neuen Anlagen mehr

Mai: Rekord an Windstrom!

Der Kälteeinbruch im Mai brachte Windstromrekord

Der 5. Mai 2019 geht in die Geschichte der erneuerbaren Energie in Österreich ein. An diesem Sonntag konnte die Windkraft erstmals 46 Prozent des heimischen Stromverbrauchs decken. Oberösterreich spielt beim Windstrom allerdings eine Nebenrolle. Seit einigen Jahren ist es praktisch unmöglich, ein Windrad zu bauen.


In Oberösterreich gibt es nur 30 Großwindkraftanlagen, in Niederösterreich sind es 729, in ganz Österreich 1.313. Foto: IG Windkraft

Im Jahresdurchschnitt deckt die Windenergie elf Prozent der österreichischen Stromversorgung ab. Der Kälteeinbruch der vergangenen Wochen bescherte allerdings einen Rekordwert. Am 5. Mai lieferten Österreichs Windräder 63 Millionen Kilowattstunden Strom. Das waren 46 Prozent des Gesamtbedarfs. Auch wenn dieser Rekordtag ein Sonntag war, wo der Energiebedarf geringer ist als an Wochentagen, ist diese Leistung beachtlich.
Insgesamt stehen in Österreich derzeit 1.313 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von etwa sieben Milliarden Kilowattstunden pro Jahr, das entspricht den elf Prozent der bundesweiten Stromversorgung. Bis 2030 könnte die Windkraft problemlos auf 26 Prozent ausgeweitet werden, heißt es in der Interessengemeinschaft (IG) Windkraft, doch dazu müssten die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden.
Derzeit befinden sich 200 Windräder mit einer Leistung von 600 Megawatt in der Warteschleife. „Diese Projekte sind baureif. Alle Gemeinden haben zugestimmt, alle Bewilligungsverfahren sind positiv abgeschlossen und die Bevölkerung befürwortet sie, doch es gibt seit eineinhalb Jahren keine Förderungszusagen von der Bundesregierung,“ erklärt Martin Jaksch-Fliegenschnee von der IG Windkraft. Das sei deshalb bedauerlich, weil die türkis-blaue Regierung „ja einen Anschub für die erneuerbare Energie versprochen hat,“ ärgert sich die Windlobby. „Für diese 200 Windräder fehlt nur das ,Go’ der Politik,“ so IG Windkraftgeschäftsführer Stefan Moidl.
Das bestehende Ökostromgesetz läuft mit Anfang 2022 aus, ein neues ist noch nicht in Sicht. „Wir warten sehnsüchtig auf den ersten Entwurf, der für Mitte des Jahres angekündigt worden ist,“ sagt Martin Jaksch-Fliegenschnee. „Es ist eine komische Situation. Wir wissen nicht, wie das neue Gesetz aussehen wird, und für die fertigen Projekte gibt es keine Zusagen.“
In Oberösterreich ist seit Jahren die Windkraft kein Thema mehr, obwohl unser Bundesland ein Windkraft-Pionier war. Der erste österreichische Windpark wurde 1996 in Eberschwang errichtet. Deshalb tragen diese beidenWindräder auch die Namen „Adam“ und „Eva“. Aktuell drehen sich in Oberösterreich 30 Großwindkraftanlagen mit 47,3 MW Leistung. Die letzten zwei Windräder gingen 2016 in Vorderweißenbach in Betrieb, 2018 wurde in Munderfing eine 6. Anlage genehmigt.
Die Landesregierung hat nämlich im Dezember 2014 einstimmig die „Arbeitsgruppe Windkraft“ beschlossen, der Vertreter aus den Abteilungen Umweltschutz, Raumordnung, Naturschutz, Anlagen-, Umwelt- und Wasserrecht, Land- und Forstwirtschaft sowie der Landesenergiebeauftragte angehörten. Dieses Expertengremium erstellte den aktuell gültigen „Windkraftmasterplan Oberösterreich 2017“, der alle Bemühungen um saubere Energie aus der Luft zum Stillstand gebracht hat. Nach diesen Kriterien finden sich keine Flächen mehr für Windräder.