19. September 2020

KOMMENTAR

Schulden-Virus


m.radmayr@hallo-zeitung.at

Die Pharmaindustrie sichert sich ab. Über Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, sagt sie. Gefährlich ist es, den Beipackzettel zu lesen. Denn entweder wirft man aus Angst vor den darin in Aussicht gestellten Nebenwirkungen das verschriebene Medikament sofort weg, oder man wird von heftigen Zweifeln geplagt. Schluckt man die Medizin trotzdem und sie wirkt, ist alles vergessen.

Gegen das SARS-CoV-2-Virus gibt es noch keine sichere Arznei. Aber es hat Erkenntnisse geschärft, die uns alle gesünder machen können. „Die kranken Kinder bei den Großeltern abzugeben, war nie in Ordnung,“ sagt der steirische Hochschullehrer und Sozialmediziner Dr. Martin Sprenger. „Mit hustenden, verschnupften Kindern geht man nicht auf das Geburtstagsfest von Oma oder Opa,“ warnt Hygiene-Facharzt Prof. DDr. Martin Haditsch aus Leonding. Auch die fehlende Trennung von Risikopatienten und Personen mit Husten-Schnupfen-Heiserkeit in ärztlichen Wartezimmern und Spitalsambulanzen war schon immer leichtfertig und fahrlässig. Spätestens für die nächste Virussaison sollte man daraus Konsequenzen ziehen.
Aber was ist mit den Risiken und Nebenwirkungen der wirtschaftlichen Rettungspolitik im Sog von SARS-CoV-2? Die nationalen Regierungen, die EU und die Europäische Zentralbank versprechen allen alles. Das Motto lautet kurz gesagt: Koste es, was es wolle! Die Gelddruckmaschinen laufen heiß, die Sicherungen auch. Kaum jemand spricht über die Risiken und Nebenwirkungen dieser Rettungspolitik. Der Beipackzettel fehlt! Doch das Schulden-Virus wird uns stärker treffen als SARS-CoV-2.


Autor: von Manfred Radmayr